Betroffene Produkte und Regularien identifizieren
Der erste Schritt für eine erfolgreiche Einführung des CRA bestand darin, die betroffenen Produkte zu identifizieren. Dafür musste das gesamte Portfolio sowie die komplexe Struktur des Unternehmens analysiert und die Produkte die unter den CRA fallen identifiziert werden. Bei der Überprüfung erfolgte außerdem eine Analyse, ob der Kunde oder das Produkt gegebenenfalls auch unter andere relevante Regularien (NIS-2 oder RED – Radio Equipment Directive) fällt.
Diese Einordnung diente als Basis für die weiteren Schritte.
Verantwortlichkeiten und Budget klären
Nach der Identifikation der betroffenene Produkte wurde gemeinsam eine klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten erarbeitet. Dabei wurden Rollen für die Umsetzung des CRA innerhalb des Unternehmens definiert und auf der Managementebene Sichtbarkeit für das Thema erzielt. Gleichzeitig wurde das benötigte Budget für die Umsetzung der Anforderungen des CRA abgeschätzt und so berechnet, dass genug Ressourcen und Kompetenzen für die Umsetzung zur Verfügung stehen. Bei der Budgetplanung wurden sowohl die einmaligen als auch die laufenden Kosten berücksichtigt. Ein klar definiertes Budget ermöglichte eine realistische und effiziente Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen.
Zum Abschluss der Planung wurde der weitere zeitliche Ablauf definiert, um die wichtigen Fristen der EU einzuhalten und Verzögerungen bei den Releases neuer Produkte zu vermeiden. Da sich das Unternehmen rechtzeitig mit dem CRA auseinandersetzte, entstanden keine größeren Verzögerungen.
Soll/Ist Analyse der Anforderungen des CRA
Nun wurden bei einer Soll-Ist-Analyse die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen des Unternehmens und der Produkte mit den Anforderungen des CRA verglichen und Lücken identifiziert. Durch eine Dokumentenprüfung, fachliche Interviews mit Ansprechpartnern sowie Sichtung von Auditberichten kamen wir zu folgenden Ergebnissen:
Die Produkte des Unternehmens verfügten schon über die grundlegenden Sicherheitsmechanismen, jedoch waren die Strukturen und Prozesse im Unternehmen nicht auf die neuen Anforderungen des CRA ausgerichtet. Es existierten zwar Maßnahmen wie Software-Updates und Zugriffskontrollen, doch dem Produktlebenszyklus fehlte ein systematisches Sicherheitskonzept nach dem Prinzip Security by Design. Die Sicherheitsaspekte wurden nicht bereits in der Entwurfsphase beachtet, sondern erst kurz vor oder sogar erst nach dem Release der Produkte. Außerdem fehlte manchen Produkten das Prinzip Security by Default, da sie mit einem Standardpasswort ausgeliefert wurden. Die Software-Updates wurden aufgrund von mangelnden technischen Möglichkeiten nicht über den kompletten Lebenszyklus der Geräte verfügbar gemacht, sondern wurden oft bereits nach 3 Jahren eingestellt. Zudem wurde festgestellt, dass dem Unternehmen die Prozesse und die Infrastruktur für das geforderte Incident Response Management und Security Monitoring fehlten. Die Mitarbeitenden waren nur teilweise im Bereich Cybersicherheit geschult. Die Dokumentationen (allgemeine Produktbeschreibung, Risikobewertungen und angewandte Normen) des Unternehmens waren teilweise vorhanden, es fehlte jedoch die geforderte SBOM (Software Bill of Materials).
Diese Ergebnisse wurden dann in einem Bericht zusammengefasst, um dem Kunden einen transparenten Überblick über seinen aktuellen Stand zu geben. Das Ergebnis zeigte auf, welche Maßnahmen bereits konform waren und welche Maßnahmen im weiteren Verlauf noch eingeführt werden müssten. Auf der Basis des Berichts wurden konkrete Handlungsempfehlungen formuliert.
Risiken innerhalb der betroffenen Produkte analysieren
Nach der Soll-Ist-Analyse wurde eine detaillierte Risikoanalyse durchgeführt. Es wurden potenzielle Sicherheitsrisiken für die Produkte evaluiert. Dabei wurden klassische Schwachstellenanalysen mit Threat-Informed Defense (TID) kombiniert, um eine fundierte Priorisierung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen vorzunehmen.
Außerdem wurden bei einigen Produkten Penetrationstests durchgeführt mit dem Ziel, die kritischen Schwachstellen der Produkte zu identifizieren. Wir vervollständigten auf diese Weise unser Bild vom Unternehmen. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnissen nahmen wir eine Priorisierung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen vor und sie flossen in unsere Handlungsempfehlungen ein.
Umsetzung identifizierter Maßnahmen (prozessual & technisch)
Die erste durchgeführte Maßnahme war die Schulung des relevanten Personals. Neben dem vermittelten Wissen hatte dies den Nebeneffekt, dass wir die Mitarbeitenden besser in die Umsetzung der Maßnahmen einbeziehen konnten.
Eine besondere Herausforderung stellten die historisch gewachsenen Produkt- und Softwareentwicklungsprozesse dar, die über Jahre hinweg ohne einheitliche Sicherheitsstrategie entstanden waren. Diese haben wir angepasst, indem wir strukturierte Security by Design Prinzipien eingeführt und somit einen sicheren Produktentwicklungsprozess und Lebenszyklus eingeführt haben. Die Produktsicherheit wird im Unternehmen nun schon ab der Designphase in allen Phasen des Produktslebenszyklus berücksichtigt. Dabei wurde auch miteinbezogen, dass die Sicherheitsupdates für Produkte nun der Lebensdauer der Produkte entsprechen müssen. Die Technik wird so gewählt, dass sie auch nach 5 Jahren noch Sicherheitsupdates erhalten kann.
Darüber hinaus führte das Unternehmen mit unserer Unterstützung eine neue Continuous Integration und Continuous Delivery (CI/CD) Pipeline mit automatisierten Sicherheitsprüfungen ein. Dazu wurde eine Application Security Platform eingeführt, die den Code der Entwickler automatisch überprüft und schon während der Programmierung Schwachstellen im Code und in Bibliotheken meldet. Außerdem kann dieses Programm die vom CRA geforderte SBOM für die gesamte entwickelte Software des Unternehmens erstellen.
Zeitgleich wurde ein Incident Response Team im Unternehmen eingerichtet und die Infrastruktur für Incident Response Management und Security Monitoring geschaffen. Das Unternehmen ist jetzt in der Lage, innerhalb von maximal 24 Stunden Schwachstellen und Sicherheitsvorfälle zu melden. Es kann schnell auf interne, sowie externe Meldungen reagiert werden und den Nutzern Sicherheitsupdates für ihre Produkte zur Verfügung gestellt werden.
Aufgrund der neuen Prozesse und des neuen Sicherheitsdenkens erfüllen die Produkte jetzt die Prinzipien Security by Design & Default.
Durchführung der Konformitätsbewertung
Das Unternehmen hatte keine kritischen Produkte, somit konnte die Konformitätsbewertung vom Unternehmen selbst durchgeführt werden, es brauchte keine Evaluation durch einen Dritten. Bei der Selbstevaluation unterstützten wir das Unternehmen und konnten die CE Kennzeichnung für die neuen Produkte erlangen, sodass diese ohne Verzögerung nach Dezember 2027 auf den EU-Markt kommen können.
Mehrwert
Dank des tiefgehenden Fachwissens unseres CRA Cybersecurity Expertenteams sowie unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der Product Security und der sicheren Softwareentwicklung waren wir in der Lage, die spezifischen Herausforderungen unseres Kunden sowie der einzelnen Organisationseinheiten genau zu erfassen und passgenaue Lösungen zu erarbeiten.
Neben unserer transparenten und ganzheitlichen Herangehensweise trugen auch eine enge kundenorientierte Kommunikation und Flexibilität maßgeblich zum Erfolg bei. Durch eine gründliche Bewertung des bestehenden Reifegrads in den Abteilungen sowie eine umfassende Aufklärung über gesetzliche Vorgaben verschafften wir dem Kunden einen klaren Überblick und förderten sein Sicherheitsbewusstsein.
Bei carmasec legen wir großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Durch ausführliche zielgerichtete Interviews und die Einbindung aller relevanten Stakeholder konnten wir in diesem Projekt ein tiefgehendes Verständnis für die spezifischen Herausforderungen erzeugen. So war es uns möglich, maßgeschneiderte Empfehlungen zu erarbeiten, um die Erfüllung des CRA und weiterer kundenspezifischen Anforderungen sicherzustellen. Dabei setzten wir auf einen integrativen Ansatz mit unseren Open Source Security Experten, der sowohl in der Strategieentwicklung als auch bei der Definition konkreter Maßnahmen berücksichtigt wurde. Neben der Analyse und Bewertung unterstützten wir auch die praktische Umsetzung, indem wir den Kunden befähigten, nachhaltige und praxisnahe Product Security-Strukturen aufzubauen. Gemeinsam definierten wir Rollen und Verantwortlichkeiten und entwickelten eine Roadmap für die Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen, wie die Integration von Security-Schritten in den Entwicklungsprozess, die Definition von Secure Coding Standards und die Einführung eines Prozesses für Vulnerability- und Incident-Management. Zusätzlich standen wir als Experten bei der Erstellung erforderlicher Dokumentationen und Prozesse beratend zur Seite.
Binnen eines Jahres haben wir die Rahmenbedingungen für CRA festgelegt und sowohl einen sicheren Entwicklungsprozess als auch ein umfassendes Vulnerability Management mitsamt der CRA-Meldepflichten implementiert.
Dies ersparte dem Kunden die Herausforderung, schwer verfügbare Expert:innen zu rekrutieren, und ermöglichte ihm stattdessen, internes Wissen gezielt aufzubauen. Dadurch konnte er Product Security effektiv implementieren und die Weichen für sichere Produkte von morgen stellen.